Im Anschluss hat OTL Helmut Wegscheider (Presseoffizier GebJgBtl 232) seine Eindrücke niedergeschrieben:

Ramsau (wet) – Die Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen durften ihr Gelöbnis an einem ganz besonderen Ort ablegen. Erstmals konnten die jungen Soldaten aus der Strub am Klausbachhaus im Nationalpark Berchtesgaden ihren Eid auf das Grundgesetz leisten. Oberstleutnant Marc Nolte, Kommandeur der ‚Struber Jager‘ sprach von einem wunderschönen Ort inmitten der Berchtesgadener Bergwelt am Fuße von Hochkalter und Reiter Alpe.

Viele Eltern aus nah und fern waren gekommen, um ihre Söhne und Töchter bei diesem Gelöbnis zu begleiten, das musikalisch umrahmt wurde vom Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr aus Garmisch-Partenkirchen. Aber auch viele geladene Gäste waren vor Ort, darunter der stellvertretende Landrat des Berchtesgadener Landes Thomas Weber, der stellvertretende Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 Oberst Dennis Jahn und die Fahnenabordnungen der Gebirgsjägerkameradschaft 232 und des Ramsauer Veteranenverein.

Höchste Herausforderung für jeden Einzelnen

Bürgermeister und ‚Hausherr‘ Richard Graßl dankte den jungen Soldaten für deren Entschluss Gebirgsjäger zu werden und nannte deren Entscheidung keine bloße Formsache, sondern eine ganz besondere Treuebezeugung zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung – zu unserem Recht. Graßl bezog sich dabei auf einen ganz zentralen Aspekt des Gelöbnisses: Das Recht zu verteidigen! Er ging ein auf das Kriegsende im Mai 1945, wobei sicher auch Emotionen und Menschlichkeit eine Rolle gespielt haben und die amerikanischen Soldaten dabei auch allgemeines Menschenrecht ganz praktisch in die Tat umgesetzt haben. Abschließend wünschte der Ramsauer Bürgermeister den jungen Rekruten das nötige Soldatenglück, Kameradschaft und Gottes Segen.

Leistungsbereitschaft, Disziplin und Wille

Der Rekrutensprecher entschied sich bewusst für die Gebirgsjäger und nannte dabei als prägende Tugenden die körperliche und mentale Belastbarkeit. Als Bundeskaderathlet im Jiu-Jitsu und bei seinem Studium habe er viel Erfahrungen sammeln können, die ihn als Gebirgsjäger prägen. “Mit Leistungsbereitschaft, großer Disziplin und ständigem Willen wächst man an den Herausforderungen, denen wir uns in der Grundausbildung stellen mussten und das hat uns zu echten Gebirgsjägern gemacht“, ist der junge Rekrut überzeugt. Getreu dem Leitgedanken: Vorangehen, wo andere aufhören, sind das die Werte, die den Gebirgsjäger auszeichnen. Durchhaltevermögen, Mut, Belastbarkeit und Kameradschaft sind gerade im Gebirge wichtige Eigenschaften. „Das ist hier erst der Anfang unseres Weges. Wir werden weiterwachsen – nicht nur als Soldaten, sondern auch als Menschen“, war seine klare Botschaft. Abschließend bedankte er sich bei den Ausbildern nicht nur für die unzähligen Erziehungsmaßnahmen, sondern auch für die aufwendige und wertvolle Ausbildung und vor allem auch bei den Eltern, Familien und Freunden für die Unterstützung und aufmunternden Worte.

Gebirgsjäger in den Bergen zuhause

OTL Nolte ging in seiner Rede zunächst auf die Aufgaben der ‚Struber Jager‘ ein, von denen sich zum Zeitpunkt des Gelöbnisses noch viele auf dem Gebirgsleistungsmarsch am Watzmann befanden. „Ein herzlicher Dank an den Nationalpark Berchtesgaden für die großartige Unterstützung“. Ebenso drückte er seine Freude aus über den Ort des Gelöbnisses, mitten in der Natur im Klausbachtal. Der Kommandeur erläuterte sehrprägnant die derzeitige Lage, in der wir uns mit dem massiv aufrüstenden Russland befinden. „Sehr viel Geld gibt Russland für sein Militär aus und die Zahl der Soldaten soll auf 1,5 Millionen anwachsen. Das ist eine klare Kampfansage an den Westen, eine Drohung an uns“, gibt OTL Nolte zu verstehen. Von den 150 Mittelstreckenraketen, die Russland pro Monat produzieren kann, werden im Schnitt nur ca. 80 in der Ukraine eingesetzt. Deutschland hat darauf reagiert mit den höchsten Verteidigungsausgaben seit dem Ende des kalten Krieges und dazu gehören Frauen und Männer, die sich dieser Gefahr entgegenstellen.

Freiheit – ein Wort das selbstverständlich klingt

Für Marc Nolte ist Freiheit ein wichtiger Begriff, denn es bedeuten nicht nur, dass wir unsere Meinung sagen dürfen, sondern auch unseren Glauben leben, unseren Lebensweg selbst bestimmen, unseren Beruf wählen können, aber auch morgens aufzustehen ohne Angst haben zu müssen, dass ein anderer entscheidet, was wir denken, sagen oder sein dürfen. Eine Armee schützt die Freiheit.

Eid auf die Fahne

Mit dem ‚Bayerischen Militärgebet‘ vom Gebirgsmusikkorps wurde der Eid der Soldaten sehr emotional im Einklang der Berge eingeleitet. Mit der Hand auf den Truppenfahnen und dem feierlichen Gelöbnis legten die Rekruten ihren Eid ab, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen‘. Mit der Bayernhymne und der Nationalhymne wurde dieses Feierliche Gelöbnis gebührend abgeschlossen. Für geladene Gäste gab es im Anschluss noch einen Empfang im Alpenhof neben dem Hintersee, bei dem die Ehrengäste dieses sicher im Gedächtnis bleibende Ereignis noch ausgiebig Revue passieren lassen konnten. OTL Nolte überreichte dem Rekrutensprecher und den am weitest angereisten Angehörigen noch ein Bildband vom Watzmann. Familie Martin wird diesen Tag noch lange in Erinnerung behalten. Mutter Iris machte sich von Trier aus auf die Reise und Vater Douglas, der nun in Amerika lebt, ließ es sich nicht nehmen, 9435 Kilometer aus Scottsdale, Arizona anzureisen. Große Hochachtung. Der ganz besondere Dank des Kommandeurs ging abschließend an seine Soldaten, die diesen einmaligen Tag mit viel Engagement und Detailliebe ermöglicht haben.

Bild Gratulation: Nach dem Ablegen des Eides der Soldaten des Gebirgsjägerbataillon 232 gratulierten Bürgermeister Richard Graßl (von links), Kommandeur OTL Marc Nolte aus Bischofswiesen und der stellvertretende Brigadekommandeur Oberst Dennis Jahn den Rekruten bei der Truppenfahne.

Bild Abschreiten1: Vor dem eigentlichen Gelöbnis schritten Ramsaus Bürgermeister Graßl und der Kommandeur der Struber Jager aus Bischofswiesen OTL Marc Nolte, gefolgt vom Stellvertreter OTL Andreas Müller-Romminger die Front ab.

OTL Helmut Wegscheider

(Foto: Wegscheider und Schelble)