Im Anschluss hat OTL Helmut Wegscheider (Presseoffizier GebJgBtl 232) seine Eindrücke niedergeschrieben:
Berchtesgaden (hw) – Etwas ganz Besonderes war der Rückkehrerappell zusammen mit dem Gelöbnis der Struber Jager am Schlossplatz in Berchtesgaden. Die Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen durften ihren Eid auf das Grundgesetz leisten. Oberstleutnant Marc Nolte, Kommandeur der ‚Struber Jager‘ sprach von einem ganz besonderen Moment für seine Soldaten und Bundestagsabgeordneter Siegfried Walch zollte ihnen Respekt und Anerkennung.
Viele Eltern aus nah und fern waren gekommen, um ihre Söhne und Töchter bei diesem Gelöbnis zu begleiten, das musikalisch umrahmt wurde vom Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr aus Garmisch-Partenkirchen. Aber auch viele geladene Gäste waren vor Ort, darunter die Bürgermeister oder deren Vertreter aus dem Talkessel sowie die Abordnung der Gebirgsjägerkameradschaft samt Fahne.
Gebirgsjäger in den Bergen beheimatet
In seiner prägnanten Rede wandte sich Siegfried Walch zunächst den 254 Rückkehrern aus dem Kosovo zu und freute sich gemeinsam mit ihnen. „Ihr seids wieder dahoam“. Die Soldaten haben fern der Heimat Dienst geleistet in einer Region Europas, die bis heute zeigt, wie zerbrechlich Frieden sein kann. Dies ist in etwas andere Weise auch in unserem Land der Fall, wenn Einsatzkräfte, Polizei oder Soldaten in unserem Land beschimpft und angegriffen werden. „Dafür habe ich keinerlei Verständnis. Ich würde mir wünschen, wenn die Leute auf der Straße auf Soldaten zugehen und ihnen ihren Respekt und Anerkennung zusprechen“. Dafür erntete er von den vielen Besucher lautstarken Applaus. Freiheit und Frieden sind aus seiner Sicht niemals selbstverständlich. „Wer Frieden bewahren will, muss verteidigungsfähig sein und wer Freiheit bewahren will, muss stark sein“, ist Siegfried Walch überzeugt.
Mit Herausforderungen gewachsen
Der Rekrutensprecher Jäger B. aus Thüringen nannte die Jägerkaserne in Bischofswiesen als den schönsten Standort der Bundeswehr und begründete seine Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen damit, dass wir in einer Zeit leben, in der man bedauerlicherweise nicht mehr sagen kann, ob es morgen noch genau so friedlich sein wird. Er stellte die Frage, warum denn eigentlich Gebirgsjäger werden? Das Klettern am Berg? Das Überleben im extremen Gelände? Und er lieferte auch gleich die Antwort. Wegen der fantastischen Aussicht, die man in der Früh oder am Abend in den Berchtesgadener Bergen hat. Kurzum, dort wo andere Urlaub machen und Geld dafür bezahlen. Weiter bezog er sich auf die Einsatzsoldaten, die auch einen gewissen Vorbildcharakter ausüben. „Wir mit unseren 32 Tagen Dienstzeit sind natürlich noch nicht ansatzweise auf der Einsatzfähigkeit dieser Frauen und Männer, doch wir alle streben an, eines Tages genauso gut zu werden. Soldat zu sein ist kein normaler Beruf, man lebt ihn und steht dafür mit seinem Leben ein“. Abschließend dankte er den Ausbildern für die Geduld und deren Engagement und vor allem den Eltern, Familien und Freunden für die Unterstützung und aufmunternden Worten.
Demokratischen Rechtsstaat leben
Oberstleutnant Marc Nolte freute sich besonders über das Beisein von MB Siegfried Walch und den neuen Berchtesgadener Bürgermeister Alexander Resch. Der Kommandeur ging zu Beginn seiner Rede auf die Leistungen ein, die Menschen in der Lage sind zu erreichen (Sabastien Sawe als erster Mensch den Marathon unter zwei Stunden gelaufen, Arda Saatci in 123 Stunden über 600 km zu Fuß) und spannte dabei den Bogen zu den Struber Jagern, die sich immer wieder aus der Komfortzone herausbewegen. „Sie haben im Kosovo Einsatzfür Sicherheit gesorgt und während der Wahlen dafür gesorgt, dass wir an der Süd-Ost Flanke Europas ein Stück Kontinuität und Stabilität haben“. Stellvertretend für alle Kameraden zeichnete er OTL Ebel, StFw Piepitz und OStFw Sauer aus. „In einer Gemeinschaft braucht es Vorbilder und diese Vorbilder sollen Orientierung geben. Die Bundeswehr braucht keine Kopien, sondern Menschen mit Charakter, Mut, Disziplin und Rückgrat“, gab er den Soldaten mit auf den Weg. „Leben Sie den Soldatenberuf pflichtbewusst und verantwortungsvoll mit Verstand, Herz und Mut“, gab Oberstleutnant den Rekruten zu verstehen, „denn dann sind Sie auf dem richtigen Weg, um für ihre Familien ein Leben in Freiheit und ein Leben in einem demokratischen Rechtsstaat zu sichern“. Im Anschluss gaben die beiden Kompanien ihren Patengemeinden Bischofswiesen und Schönau am Königssee ihre Ortsschilder zurück, die sie in den Einsatz mitgenommen hatten.
Eid auf die Fahne
Mit dem ‚Bayerischen Militärgebet‘ vom Gebirgsmusikkorps wurde der Eid der Soldaten eingeleitet. Mit der Hand auf den Truppenfahnen und dem feierlichen Gelöbnis legten die Rekruten ihren Eid ab, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen‘. Mit der Bayernhymne und der Nationalhymne wurde dieses Feierliche Gelöbnis gebührend abgeschlossen. Für geladene Gäste gab es im Anschluss noch einen Empfang im Sophie’s Café, bei dem die Ehrengäste dieses sicher im Gedächtnis bleibende Ereignis noch ausgiebig Revue passieren lassen konnten. OTL Nolte überreichte der am weitest angereisten Familie noch ein Bildband vom Watzmann, damit die Familie Palte aus Sagehorn bei Bremen (861 km) diesen Tag noch lange in Erinnerung behalten kann. Die Rückkehrerfeier fand im Hofbrauhaus Berchtesgaden statt und hier ließ der Leiter des Familienbetreuungszentrums in Bad Reichenhall OStFw Sauer die einjährige Einsatzzeit per Film noch einmal Revue passieren.
Bild Gelöbnis: Die Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus der Strub leisteten den Eid auf die Fahne. Dazu gratulierten v.li. Kommandeur OTL Marc Nolte und Berchtesgadens neuer Bürgermeister Alexander Resch sowie v.re. Brigadegeneral Holger Peterat und Bundestagsabgeordneter Siegfried Walch.
Bild Ortsschilder: Nach dem erfolgreichen Kosovo Einsatz gaben die jeweiligen Kompanien ihre Ortsschilder wieder an die Patengemeinden zurück, die für Schönau am Königssee Geschäftsführer Andreas Huber und Bischofswiesens dritter Bürgermeister Franz Punz in Empfang nahmen, worüber sich auch der Kommandeur der ‚Struber Jager‘ OTL Marc Nolte (Mitte) besonders freute.
OTL Helmut Wegscheider
(Foto: Wegscheider und Schelble)