Erinnerung aufrechterhalten Im Anschluss hat OTL Helmut Wegscheider (Presseoffizier GebJgBtl 232) seine Eindrücke niedergeschrieben:

Ramsau (hw) – Der 07.07.1970 war ein Tag, den man beim Gebirgsjägerbataillon 232 nicht vergessen wird. In tragischer Erinnerung bleibt der Absturz des Bundeswehrhubschraubers im Wimbachgries, bei dem 8 französische und 4 deutsche Soldaten ihr Leben verloren haben. Ein Soldat stürzte vorab aus der Maschine und überlebte das Unglück. Wie jedes Jahr gab es wieder eine feierliche Gedenkveranstaltung im Wimbachgries am Ort des Geschehens vor dem Gedenkkreuz (errichtet 1971) mit einer Abordnung der 4.Kompanie der Struber Jager, Zeitzeugen von damals und der Gebirgsjägerkameradschaft 232. Deren Vorsitzender Gerd Schelble erinnerte mit beeindruckenden Worten an das damalige Unglück.
Vor nunmehr 56 Jahren ereignete sich das bis dahin schwerste Hubschrauberunglück mit deutschen Soldaten. Eine ‚Bell UH-1D‘ stürzte am Dienstag, den 07.07.1970 bei einer Hochgebirgsübung von deutschen und französischen Soldaten nahe dem Wimbachschloß ab. Dabei kamen acht französische und vier deutsche Soldaten ums Leben. Lediglich ein Soldat kam schwer verletzt mit dem Leben davon.

Andacht zum Gedenken
Gerd Schelble, der Vorsitzende der Gebirgsjägerkameradschaft 232, erinnerte an die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg die Annäherung der Staaten und die erste gemeinsame Übung mit französischen Soldaten, die am 07.07.1070 durch den Hubschrauberabsturz so jäh beendet wurde. Trompeter Erhard Moldan eröffnete die Gedenkfeier mit dem traditionellen Coral „Ehre Gottes“ von Beethoven, ehe Militärdekan Thomas Funke die Andacht vor dem Steinaltar zelebrierte. „Wir stehen heute hier, weil diese Männer nicht vergessen sind. Wir tragen ihre Andenken in unseren Herzen“. Dabei trat aus seiner Sicht die Nationalität in den Hintergrund. Was zählte war das gemeinsame Schicksal. Das Unglück konnte die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland nicht zerstören. Aus Schmerz erwuchs Verantwortung. Aus Verlust entstand Verbundenheit. In seiner Gedenkrede ging Dekan Funke auf das tragische Unglück ein. „Die Opfer sind nicht vergessen, ihre Geschichte wird weitererzählt. Sie lebt von Menschen, die Brücken bauen und gegenseitigen Respekt zeigen. Gerade in den Bergen erfahren Soldaten in besonderer Weise, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind“. Der Geistliche appellierte daran, dass dieser Ort nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein Ort der Hoffnung bleiben soll, denn Erinnerung richtet den Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. „Wer erinnert, übernimmt Verantwortung“, so seine Überzeugung.
Mit diesen Worten wies er auf den Unglückstag vor 56 Jahren hin, als der Hubschrauber abstürzte und die Soldaten bei einer Übung so tragisch ums Leben kamen. „Solche Ereignisse mahnen uns, das Leben niemals als selbstverständlich anzusehen. Sie erinnern uns an die Grenzen menschlicher Möglichkeiten. Doch es werden immer wieder schöne Tage kommen, so wie heute“, zeigte er sich zuversichtlich an diesem schönen Sommertag.

Kranzniederlegung am Kreuz
Anschließend legte der Kompaniefeldwebel der 4.Kompanie Oberstabsfeldwebel Marco Pampel zusammen mit Gerd Schelble, dem Vorsitzenden der Gebirgsjägerkameradschaft 232 (GJK) am Kreuz einen Kranz nieder und Trompeter Erhard Moldan blies ‚Der gute Kamerad‘, ein Moment, der sehr emotional war! Die Stille neben der Musik war beeindruckend und jeder hatte dazu seine eigenen Gedanken.

Zeitzeugen berichten
Mit vor Ort bei der Gedenkfeier waren auch Zeitzeugen von damals. Franz Lechner, Mitglied der Fahnenabordnung der GJK, Franz Meiser (zu dieser Zeit Instandsetzungszugführer) und der damalige Kompaniechef der 4.Kompanie der Struber Jager, Norbert Schrimpf, der am 07.07.1970 mit seinen deutschen Kameraden eigentlich im Hubschrauber mitfliegen sollte. Doch ein unvorhergesehenes Ereignis (das kurzfristige Erscheinen der beiden Kommandeure Oberstleutnant Hasenschwanz und sein französischer Kollege) führte dazu, dass Schrimpf nicht in den Hubschrauber einstieg, sondern an seiner Stelle Zugführer Leutnant Kammermayr. Norbert Schrimpf, der am 06.07. seinen 87. Geburtstag feierte, darf nun auch einen Tag später immer einen ‚zweiten Geburtstag‘ feiern, diesmal seinen 56.
Nach dem offiziellen Teil der Gedenkveranstaltung gab es noch ein Zusammentreffen im Wimbachschloss, wobei viele interessante Gespräche geführt werden konnten, ehe es wieder zurück zum Parkplatz Wimbachbrücke ging.

OTL Helmut Wegscheider (Foto: Wegscheider und Schelble)

Bild Abordnung: Die Gebirgsjägerkameradschaft 232 Berchtesgaden mit Vorsitzendem Gerd Schelble (von rechts) und der Fahnenabordnung Franz Lechner, Fähnrich Sepp Pfnür, Peter Peschik, Erhard Moldan und Kompaniefeldwebel Oberstabsfeldwebel Marco Pampel verliehen der Gedenkfeier im Wimbachgries einen würdigen Rahmen.

Bild Schrimpf: Als Zeitzeuge vor Ort war der damalige Kompaniechef Norbert Schrimpf, der mit seiner Frau Margret an der Gedenkveranstaltung im Wimbachgries teilnahm.

Bild Trompeter: Trompeter Erhard Moldan von der Gebirgsjägerkameradschaft 232 Berchtesgaden blies ‚Der gute Kamerad‘ am Ende der Gedenkfeier vor dem Kreuz. Sehr emotional für alle Beteiligten.

Bild Kranz: Am Gedenkstein am Fuße des Kreuzes war der Kranz aufgestellt und die Tafel der verunglückten Soldaten.

Bild Die zwei die das Gedenken durchführen: Militärdekan Thomas Funke (li.) zelebrierte die Gedenkfeier im Wimbachgries und Gerd Schelble, der Vorsitzende der Gebirgsjägerkameradschaft 232, sprach einige emotionale Einleitungsworte.