Im Anschluss hat OTL Helmut Wegscheider (Presseoffizier GebJgBtl 232) seine Eindrücke
niedergeschrieben:
Bischofswiesen (wet) – Die Reserve soll gestärkt werden, ist die klare Botschaft aus dem Verteidigungsministerium, denn die Reservisten sind ein wichtiger Teil der Bundeswehr und das wird auch immer wieder betont. Daher soll die Zahl der Reservisten in Deutschland in den nächsten Jahren auf 200.000 Soldaten aufwachsen mit den festgelegten Aufgaben, die auf die Reserve zukommen. Von großer Bedeutung sind auch die regelmäßigen Ausbildungen mit interessanten Inhalten. Die Struber Jager waren nun in Kammer auf dem Truppenübungsplatz und übten die Gewässerüberquerung, Karte-Kompass, Handstreich und Hinterhalt. Zudem gab es einen Orientierungsmarsch bei Nacht sowie verschiedene anderen Aufgaben.
Reservisten aus ganz Deutschland mit hoher Motivation
Vor Ort in Kammer waren wieder zahlreiche Reservisten aus ganz Deutschland, die verschiedensten Berufsgruppen angehören, von Studenten über Angestellte, Projektleiter am Bau bis hin zu Polizisten nahmen an der Ausbildung teil. Die Einsatzbereitschaft war hoch und die angereisten Reservisten zeigten viel Motivation. Das hängt natürlich auch mit der angebotenen Ausbildung eng zusammen und Ausbildungsleiter Hauptfeldwebel der Reserve M.-R. plant vorab interessante, aber auch fordernde Themen. „Die Leute, die regelmäßig zu uns kommen, sind motiviert, wollen was machen und auch gefordert werden. Deshalb ist auch eine abwechslungsreiche und interessante Ausbildung wichtig, denn so kommt keine Langeweile auf. Den Reservisten wird einiges geboten und erfreulich dabei ist auch, dass immer wieder viele Frauen mit dabei sind“.
Ausbildung abwechslungsreich gestalten
Die Ausbildungsinhalte sind sehr unterschiedlich, keineswegs langweilig und sollen aber auch fordernd sein. Zunächst gibt es eine Einweisung ins Gelände und wie ich mich von A nach B bewege. Dies hängt von der jeweiligen Situation ab und dem Befehl des Gruppenführers, der die richtige Entscheidung trifft in Anbetracht der Wirkung der Waffen. Beim Stellungswechsel entscheidet der Einzelschütze selbst. Die Vorhaben wurden klar angesprochen und die Soldaten in die jeweilige Lage eingewiesen.
Eine besondere Ausbildung war der mehrstündige Orientierungsmarsch bei Nacht mit der persönlichen Gefechtsausstattung. Die Bedingungen waren ausgezeichnet mit klarem Wetter und guter Sicht bei aufnehmendem Mond, der angemessene Sicht ermöglichte. Die Soldaten bewegten sich in Kleingruppen mit Karte und Kompass, sowie Kartenausschnitten, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen.
Schnell hin – schnell weg
Am nächsten Tag stand das Thema Handstreich und Hinterhalt auf dem Dienstplan. Hierbei ist es wichtig, möglichst schnell und ohne großes Aufsehen zu agieren. Nach einer klaren Zielverteilung wird mit Feuerüberfall die Situation bewältigt. Schnell hin zu dem Objekt, handeln und möglichst schnell wieder weg war hier die Devise und die Soldaten übten das mehrmals in verschiedenen Gruppen. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Die Frauen und Männer zeigten hohen Einsatz und waren sich nicht zu schade, sämtliche Aufgaben voller Tatendrang auszuführen.
Die Traun überwinden
Ein wichtiges Thema bei dieser Ausbildung war das Durchqueren von Gewässern unter Berücksichtigung der taktischen Lage. Dabei kommt es zunächst einmal darauf an, möglichst Brücken zu meiden und unter Einsatz von Behelfsmitteln den Fluss zu überqueren. Vorab sollte die Flusstiefe und die Fließgeschwindigkeit eingehend erkundet werden, um Unwägbarkeiten auszuschließen. Die Handlungsfähigkeit eines Soldaten beim Überwinden von Gewässern ist eingeschränkt und daher ist die Sicherung am Ufer von großer Bedeutung. Der Ausbilder legte großen Wert auf die richtige Ausführung und sprach die grundlegenden Elemente gezielt an. Wichtig ist dabei auch, dass die persönliche Ausrüstung fachgerecht verpackt ist, so dass alles trocken bleibt. Mit Bergseilen und Karabinern wurde die ausgesuchte Stelle so vorbereitet, dass alle Reservisten die Traun ohne größere Probleme durchqueren konnten. „Es macht richtig Spaß und wir lernen hier viel dazu. Vor allem das Durchqueren des Flusses ist mal was ganz anderes“, freut sich Biologiestudent Stabsgefreiter B., der gleich nach kleinen Wassertieren sucht. „Ich komme immer wieder gerne zur Ausbildung, denn für meine persönliche Weiterentwicklung bringt mich das echt weiter“, lobte Hauptfeldwebel der Reserve S., der im ‚normalen‘ Leben als Projektleiter auf dem Bau tätig ist, die gute Kameradschaft unter den Reservisten. Ausbilder Hauptfeldwebel der Reserve M.-R., der als Orthopädietechniker Meister täglich seiner Arbeit nachgeht, plant die Übungswochenenden der Reservisten und ist mit der Motivation und dem Einsatz der jungen Frauen und Männer sehr zufrieden. „Alle kommen freiwillig und wollen etwas lernen. Sie unterstützen sich gemeinsam und sind mit Begeisterung bei der Sache. So macht es auch mir viel Spaß“.
Das nächste Ausbildungswochenende steht von 24.-26. Juli 2026 auf dem Programm. Wer Interesse dafür zeigt, kann sich im Gebirgsjägerbataillon 232 bei der Reservistenstelle melden unter 08652/6562 218 oder 217. Eine andere Möglichkeit ist der Kontakt per Mail an GebJgBtl232ResAngel@bundeswehr.org
Bild1 Gewässer überwinden: Wichtig war bei der Gewässerdurchquerung, dass die persönliche Ausrüstung trocken blieb für die weiteren Aufgaben.
Bild2 Biologie: Eine willkommene Gelegenheit war es für den Biologiestudenten, gleich das Wasser nach kleinen Tieren zu untersuchen.
Bild3 Gewässer spritzen: Festhalten am Seil mit der Waffe nah am Mann war die Aufgabe, die Traun schnellstmöglich zu durchqueren, während die Kameraden am Ufer sicherten.
Bild4 Anziehen Strümpfe: Nach dem Durchqueren der Traun musste die Marschbereitschaft schnell wieder hergestellt werden und dazu gehörte auch das Anziehen der trocken gebliebenen Strümpfe.
Bild5 Im Gelände: Konzentriert waren die Reservisten während der Ausbildung bei der Sache, hatten zudem aber auch den notwendigen Spaß, um alle Aufträge abzuwickeln.
Bild6 Der Handstreich: Fremde Fahrzeuge wurden überfallen, um etwas Essbares zu finden oder vielleicht auch Munition und Waffen.
OTL Helmut Wegscheider
(Foto: Wegscheider)